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Einzigartiger medizinischer Meilenstein
Erstmals weltweit konnte von einem interdisziplinären Expertenteam des Klinikum Wels-Grieskirchen eine simultane Transkatheter-Aortenklappenimplantation (TAVI) und eine endovaskuläre Aortenreparatur (EVAR) über die linke Schlüsselbeinarterie (Arteria axillaris) erfolgreich durchgeführt werden. Der 76-jährige Welser Paralympics-Sportler Egon Kramminger, vielfacher Medaillengewinner im internationalen Rollstuhl-Tischtennis, hat den hochkomplexen Eingriff ohne Komplikationen überstanden und ist bereits wieder sportlich aktiv.
Egon Kramminger ist seit einem schweren Verkehrsunfall im Jahr 1967 querschnittsgelähmt. Trotz der Folgen des Unfalls, der über 150 Operationen nach sich zog, ist er seit vielen Jahren im internationalen Behindertensport aktiv. Zu den größten Erfolgen des heute 76-Jährigen zählen unter anderem 30 österreichische Staatsmeistertitel, eine Europameisterschafts-Goldmedaille sowie zahlreiche Medaillen bei Weltmeisterschaften und die fünffache Teilnahme an Paralympischen Spielen. Für seine sportlichen Verdienste wurde er 2006 mit dem Goldenen Verdienstkreuz der Republik Österreich ausgezeichnet.
Komplexe Diagnose – fehlende Behandlungsalternativen
Mit einer hochgradigen Aortenklappenstenose und einer behandlungsbedürftigen Erweiterung der Bauchschlagader (Bauchaortenaneurysma, BAA) suchte Kramminger das Klinikum Wels-Grieskirchen auf. Eine frühere Einschätzung in einem renommierten Krankenhaus hatte den Eingriff als inoperabel eingestuft. Da der Patient weiterhin Tischtennis spielen wollte und die Gefahr einer lebensbedrohlichen Ruptur der Bauchschlagader bestand, musste eine effektive Behandlungsmöglichkeit gefunden werden.
Weltweit einzigartige Operation dank interdisziplinärer Zusammenarbeit
"Obwohl unser Patient aufgrund seiner Unfallfolgen mit Querschnittslähmung und beidseitiger Beinamputation auf Beckenhöhe eine besondere anatomische Ausgangslage hatte, befand er sich insgesamt in sehr gutem Allgemeinzustand", erklärte Hans Joachim Geißler, Welser Standortleiter der Herz-, Gefäß- und Thoraxchirurgie am Klinikum. Da der klassische Zugang über die Leistengefäße nicht möglich war, entschied sich das interdisziplinäre Team für einen innovative Zugang über die linke Schlüsselbeinarterie. "Die eigens für diesen Zweck angefertigte Aortenprothese wurde sozusagen kopfüber montiert und präzise von oben implantiert", ergänz René Müller-Wille, Primar der Radiologie. In einer umfassenden Literaturrecherche konnten keine vergleichbaren Fälle einer TAVI- und EVAR-Implantation über die Arteria axillaris gefunden werden. Für den erfolgreichen Ausgang des Eingriffs war die interdisziplinäre Zusammenarbeit entscheidend: Nach akribischer Vorbereitung und Planung wurder der Eingriff gemeinsam von Chirurg Hans Joachim Geißler, Kardiologie-Primar Ronald K. Binder und dem Radiologen René Müller-Wille am 26. November 2024 komplikationslos ausgeführt.
Erfolgreiche Behandlung – schnelle Genesung
Bereits nach zwei Wochen konnte der Patient nach Hause entlassen werden. Am 11. Februar 2025 überzeugte sich das interdisziplinäre Behandlungsteam schließlich selbst vom ausgezeichneten Gesundheitszustand des Paralympics-Sportlers, der bereits wieder auf Wettkampfniveau aktiv ist. "Die erfolgreiche Behandlung von Egon Kramminger ist ein Meilenstein der modernen Gefäßmedizin", resümiert das Expertenteam des Klinikums. "Sie macht deutlich, wie interdisziplinäre Zusammenarbeit und innovative Ansätze selbst in vermeintlich aussichtslosen Fällen lebensrettende Lösungen ermöglichen."
Stand: April 2025